Verfasst von James · 11.07.2026 · 4 Min. Lesezeit
Wimbledon-Finale 2026, und größer geht es kaum: Am Sonntag stehen sich auf dem heiligen Rasen die Nummer 1 und die Nummer 2 der Welt gegenüber – Titelverteidiger Jannik Sinner gegen French-Open-Champion Alexander Zverev. Dazu steigt heute schon ein historisches Damenfinale.
Wir machen den Formcheck: Wer kam wie ins Endspiel, wer hat überzeugt, wer gewackelt – und was sagen die Zahlen?
Formcheck Herren: fast gleiche Bilanz, andere Gegner
Auf dem Papier ähneln sich die beiden Wege sogar zwei Mal: Sinner und Zverev gaben je exakt zwei Sätze ab und standen mit 15:36 beziehungsweise 15:09 Stunden fast gleich lang auf dem Platz. Unterschiedlich waren vor allem die Gegner – und wie souverän die beiden mit ihnen fertigwurden.
Bei Jannik Sinner (Nr. 1) fielen beide Satzverluste gleich zu Beginn. Sein Auftakt gegen Miomir Kecmanović geriet mit 4:6, 6:3, 6:7, 6:2, 6:3 zur Fünf-Satz-Zitterpartie. Danach aber schaltete der Titelverteidiger in den Seriensieger-Modus und gewann fünf Partien in Folge ohne Satzverlust – gegen Borges, Brooksby, Mochizuki, Struff und zuletzt Novak Djokovic. Dieses 6:4, 6:4, 6:4 im Halbfinale, in nur zwei Stunden und zwanzig Minuten, war eine Machtdemonstration: Sinner gab keinen einzigen Aufschlag ab, schlug 16 Asse ohne einen Doppelfehler – und ließ Djokovics Traum vom rekordverdächtigen achten Titel platzen.
Bei Alexander Zverev (Nr. 2) verteilten sich die Strapazen anders. Sein Auftakt gegen Alexander Blockx zog sich über 2:55 Stunden und drei Tiebreaks, das Achtelfinale gegen Jiří Lehečka (6:4, 7:5, 3:6, 7:6) dauerte 3:22 Stunden und musste wegen der Sperrstunde sogar am nächsten Tag beendet werden. Zum Ende hin aber wurde der Deutsche eiskalt: Gegen Taylor Fritz (6:4, 6:4, 6:2) und Wildcard Arthur Fery (7:6, 6:2, 6:4) gab er keinen Satz mehr ab – und das ausgerechnet auf Rasen, lange seinem schwächsten Belag (2026 steht er dort bei 9:1 Siegen).
Das Duell: klare Rollenverteilung – und ein Stück Geschichte
So groß die Bühne, so eindeutig die Papierform: Im direkten Vergleich führt Sinner mit 10:4 – und hat die letzten neun Duelle allesamt gewonnen. Auf Rasen sind sich die beiden allerdings noch nie begegnet, was Zverev Hoffnung macht.
Für Sinner geht es um den zweiten Wimbledon-Titel in Folge und den fünften Grand Slam überhaupt. Zverev dagegen jagt gleich ein doppeltes Novum: Als erster deutscher Finalist seit Boris Becker 1995 könnte er nicht nur seinen ersten Wimbledon-Titel holen, sondern mit dem Sand-Triumph von Paris im selben Jahr auch den „Channel Slam“ perfekt machen. Dafür müsste er allerdings endlich seine lange Sieglos-Serie gegen die Nummer 1 durchbrechen.
Formcheck Damen: das erste rein tschechische Grand-Slam-Finale
Bei den Damen steht schon vor dem ersten Aufschlag Geschichte fest: Erstmals überhaupt bestreiten zwei Tschechinnen ein Grand-Slam-Finale. Karolína Muchová gegen Linda Nosková ist zugleich das erste rein nationale Wimbledon-Damenfinale seit dem Schwestern-Duell Venus gegen Serena Williams 2009. Und egal, wer gewinnt: Es gibt eine erstmalige Grand-Slam-Siegerin – und die dritte tschechische Wimbledon-Championesse in nur vier Jahren, nach Vondroušová (2023) und Krejčíková (2024).
Den härteren Weg dorthin hatte Muchová (Nr. 10): Sie bezwang nacheinander gleich drei Major-Siegerinnen – Krejčíková, Osaka und Gauff – und wehrte im Halbfinale gegen Gauff im Champions-Tiebreak sogar einen Matchball ab (6:2, 1:6, 7:6). Zwei Sätze gab sie dabei ab, wirkte zum Ende hin aber körperlich angeschlagen. Nosková (Nr. 9) kam glatter durch: nur ein einziger Satzverlust auf dem ganzen Weg, in der zweiten Woche klare Zwei-Satz-Siege über Keys, Mertens und Kostyuk.
Fremd sind sich die beiden dabei alles andere als: Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris standen Muchová und Nosková gemeinsam im Doppel auf dem Platz und verpassten eine Medaille nur knapp. Im Einzel trafen sie bislang erst einmal aufeinander – 2025 in der dritten Runde der US Open, auf Hartplatz, wo Muchová in drei Sätzen die Oberhand behielt. Auf Rasen ist es ihr erstes Duell, und beide reisen bestens eingespielt an: Nosková gewann zur Einstimmung das Rasenturnier in Berlin, Muchová jenes in Bad Homburg. Als leichte Favoritin gilt die erfahrenere Muchová – mit 29 in ihrem zweiten Major-Finale, variantenreich und grastauglich, sofern sie körperlich mithält. Die erst 21-jährige Nosková setzt dagegen auf Aufschlag und Wucht und könnte die jüngste Wimbledon-Siegerin seit Petra Kvitová 2011 werden.
Fazit: das Wimbledon-Finale 2026 wird eng
Bei den Herren fordert der formstarke Major-Champion Zverev den Weltranglisten-Ersten Sinner heraus, der im direkten Vergleich zwar klar führt, gegen ihn aber noch nie auf Rasen gespielt hat. Bei den Damen kämpfen zwei Tschechinnen um ihren allerersten großen Titel – mit garantiertem Happy End für ihr Land. Beide Endspiele versprechen also echte Spannung.
Und die gibt es nicht nur auf dem Rasen: Auch in unserem Tippspiel wird es am letzten Spieltag noch einmal richtig eng – mit den richtigen Finaltipps kann sich an der Tabellenspitze durchaus noch etwas verschieben. Es bleibt also bis zum allerletzten Ballwechsel spannend.
Wer holt sich die Preise?





