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Wimbledon: Geschichte, Traditionen und Fun Facts rund um den heiligen Rasen

Wimbledon: Geschichte, Traditionen & Fun Facts

Verfasst von Sofia

Zwei Wochen lang trägt die Tenniswelt Weiß. Kein Bordeaux-Rot, kein Hartplatz-Blau – nur kurz gemähtes englisches Gras, Erdbeeren mit Sahne und eine Etikette, die seit über 140 Jahren kaum jemand antastet. Wimbledon ist nicht einfach das älteste Tennisturnier der Welt, es ist eine eigene kleine Republik mit eigenen Gesetzen. Hier sind die spannendsten Geschichten rund um den einzigen Rasen-Grand-Slam – kompakt, unterhaltsam und mit ein paar Fakten, die dich überraschen werden.

Beginnen wir mit der schönsten Pointe: Das prestigeträchtigste Turnier des Sports verdankt seine Existenz einer kaputten Rasenwalze. 1877 war der „All England Croquet Club“ eigentlich ein Krocketverein – Tennis war gerade erst erfunden. Als die von einem Pony gezogene Rasenwalze den Geist aufgab und Geld für die Reparatur fehlte, hatte der Club eine Idee: ein öffentliches Lawn-Tennis-Turnier, Eintritt ein Shilling. 22 Herren traten an, rund 200 Zuschauer kamen, und das Finale musste verschoben werden, weil das Cricket-Match zwischen Eton und Harrow Vorrang hatte. Sieger Spencer Gore fand das neue Spiel übrigens eher langweilig und prophezeite, es werde sich nie durchsetzen.

Es setzte sich durch. 1884 kam die Damenkonkurrenz dazu, 1899 stand „Lawn Tennis“ sogar vor „Croquet“ im Vereinsnamen – und aus der Notlösung gegen eine kaputte Walze wurde der Maßstab, an dem sich bis heute alles misst.

Wimbledon ist das einzige Turnier, bei dem die Spieler:innen nicht für sich selbst entscheiden, was sie tragen. Die Regel ist berüchtigt unbarmherzig: „fast vollständig weiß“ – und zwar weiß, nicht cremefarben, nicht gebrochen weiß. Selbst die Unterwäsche muss mitspielen, farbige Sohlen sind tabu, und ein einziger zu breiter Streifen in Türkis kann zum Umziehen in der Kabine führen.

Wer dachte, das sei verhandelbar, lag falsch: Schon Größen wie Andre Agassi blieben dem Turnier in den späten 80ern aus Protest gegen den Dresscode fern. Erst 2023 gab es die erste echte Lockerung seit Jahrzehnten – Spielerinnen dürfen seither dunkle Unterhosen tragen, eine längst überfällige Geste gegenüber Athletinnen während ihrer Periode.

Erdbeeren, Pimm’s und eine sehr britische Warteschlange

Manche Traditionen schmeckt man. Pro Turnier verputzt das Publikum fast zwei Millionen Erdbeeren mit literweise Sahne – serviert seit jeher in derselben simplen Kombination, kein Schnickschnack. Dazu ein Glas Pimm’s, und das britische Sommerklischee ist perfekt.

Und dann ist da „The Queue“ – die Warteschlange, die selbst eine Institution ist. Wer kein Ticket hat, stellt sich an, notfalls über Nacht im Zelt im angrenzenden Park. Es gibt offizielle Verhaltensregeln, eine eigene Broschüre und sogar einen Ehrenkodex: Wer seinen Platz verlässt, darf höchstens 30 Minuten weg sein. Geduldig anstehen für Tennis – britischer geht es kaum.

Pokale, die Geschichten erzählen

Auch die Trophäen sind kleine Geschichtsbücher. Auf dem Gentlemen’s Singles Trophy thront seit 1887 eine vergoldete Ananas – über deren Ursprung bis heute gerätselt wird (Theorien reichen von kolonialem Luxussymbol bis zur Seefahrertradition). Die Siegerinnen heben den Venus Rosewater Dish in die Höhe, eine kunstvoll gravierte Silberschale mit Figuren aus der griechischen Mythologie. Behalten darf beide übrigens niemand: Champions bekommen verkleinerte Repliken, die Originale bleiben im Club.

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Rekorde, die so schnell niemand bricht

  • Roger Federer gewann zwischen 2003 und 2017 ganze acht Herren-Einzeltitel – Rekord. Dahinter teilen sich William Renshaw, Pete Sampras und Novak Djokovic je sieben.
  • Martina Navratilova ist mit neun Titeln (1978–1990) die ungekrönte Königin des Rasens; Steffi Graf und Serena Williams stehen bei je sieben.
  • Das längste Match der Tennisgeschichte fand 2010 in der ersten Runde statt: John Isner schlug Nicolas Mahut nach 11 Stunden und 5 Minuten über drei Tage – der fünfte Satz endete 70:68. Dieser Marathon war einer der Gründe, warum es heute im Entscheidungssatz einen Tiebreak gibt.
  • Iga Świątek servierte 2025 ein modernes Stück Geschichte: ihr 6:0, 6:0 gegen Amanda Anisimova war das erste „Doppel-Bagel“-Finale bei den Damen seit 1911. Als erste Polin überhaupt holte sie den Titel.

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Tradition trifft Hightech

So konservativ Wimbledon nach außen wirkt – hinter den Kulissen wird kräftig modernisiert. 2025 fiel eine der ältesten Konstanten des Turniers: Nach fast 148 Jahren verschwanden die menschlichen Linienrichter komplett. Seither entscheiden 450 Hochgeschwindigkeitskameras per „Electronic Line Calling“ über In oder Aus – das berühmte „Out!“ kommt jetzt vom Band.

Auch über den Köpfen tut sich was: Der Centre Court hat seit 2009 ein schließbares Dach, der No.1 Court seit 2019 – Regenpausen, die früher ganze Tage fraßen, sind damit Geschichte. Und selbst der heilige „Middle Sunday“, der traditionelle Ruhetag in der Mitte des Turniers, wurde 2022 abgeschafft. Heute wird durchgespielt, an allen 14 Tagen.

Drei Kuriositäten zum Mitnehmen

  • Rufus, der Wachfalke: Damit Tauben den makellosen Rasen nicht beschmutzen, patrouilliert jeden Morgen ein Harris-Falke namens Rufus über die Anlage. Er hat einen offiziellen Ausweis des Clubs – und einen eigenen Social-Media-Account.
  • 77 Jahre Sehnsucht: Zwischen Fred Perrys Sieg 1936 und Andy Murrays Triumph 2013 wartete Großbritannien sage und schreibe 77 Jahre auf einen eigenen Herren-Champion. Als es 2013 endlich klappte, stand das halbe Königreich still.
  • Verbeugung adé: Bis 2003 mussten sich alle Spieler:innen vor der Royal Box verbeugen oder knicksen. Heute gilt das nur noch, wenn der König oder der Prince of Wales höchstpersönlich zuschaut.

Fazit: Wo Tennis zur Tradition wird

Wimbledon verbindet Geschichte, Etikette und englische Sturheit wie kein anderes Turnier. Das Gras zwingt zu schnellem, flachem Spiel, die feierliche Stille macht jeden Punkt zum Ritual – und genau diese Mischung aus Ehrfurcht und Spannung macht das Mitfiebern so unwiderstehlich.

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